Vine – eine Hassliebe

Wer mich kennt, weiß, dass mein Lieblingszuhause im Social Web Twitter ist. Ich habe aber seit einiger Zeit eine heiße Affäre mit Vine. Ein bisschen ist es eine Hass-Liebe, dazu später mehr.

frau Vogel bei VineVine ist eine Video App, mit der man sechssekündige Videos erstellt und mit seinen Followern teilt. Die Funktionsweise ist wie eine Mischung aus Instagram und Twitter. Das Videoformat hat wie bei Instagram das reizvolle Quadrat und man hat 140  Zeichen für die Beschreibung und Kommentare zur Verfügung. Man kann andere Vines liken, kommentieren und revinen – allerdings ohne es dabei mit einem Kommentar zu versehen, also wie der klassische Retweet.

Das Besondere an Vine ist, dass man sehr einfach Stop-Motion Videos erstellen kann. Man „dreht“ das Video, indem man auf den Screen tippt und wenn man motorisch sehr feinfühlig ist, schafft man in den 6 Sekunden gut 70 Tipper/Takes.

Vine wurde ursprünglich für das iPhone entwickelt und die Android Version ist wohl so als Neben- oder Abfallprodukt entstanden. Anders kann ich mir nicht erklären, weshalb diese Version so stiefmütterlich behandelt wird.

Ganz ursprünglich war es so, dass man Vines nur aus der App heraus erstellen konnte. Keine Zusatzfeatures, kein Schnickschanck, nüschts. Ganz pur. Dann konnte man irgendwann in der iPhone-Version Musik hinzufügen und Videos aus anderen Apps hochladen.

Hier kommt also der Hass ins Spiel.
Unter Android gab es diese Features sehr viel später irgendwann theoretisch auch, aber sie funktionieren nicht. Während iPhone User also inzwischen Videos mit tollen Kameras drehen, sie dann mit einer Super-Profi-HighEnd-Videosoftware bearbeiten um sie dann auf Vine hochzuladen, ächzt der Android User  – also ich – rudimentär mit Minimalkonfiguration. Ich kann nichts mit Musik oder Sounds pimpen, keine Effekte hinzufügen, der „importieren“-Button  existiert zwar, aber er funktioniert nicht. Und wenn ich bei einer langwierigen Stoptrick Animation einen Fehler mache, muss ich wieder von vorne anfangen. Theoretisch kann ich zwar die einzelnen Takes bearbeiten, sprich löschen oder verschieben, aber auch das ist so buggy, dass ich mir damit alles komplett zerschieße.

Vine App, Screenshot

 

Zwischendurch gab es mal ein paar Versionen, bei denen ungefähr jedes 3. Vine beim Hochladen im Orkus verschwunden ist. Das ist inzwischen immerhin ausgemerzt.

Das ärgerliche ist, dass ich schon mehrmals versucht habe mit dem Support zu kommunizieren. Ich melde die Bugs alle brav, stelle Fragen, bitte um Informationen, bekomme aber nie nie nie eine Antwort. Gut, was habe ich Provinztrutsche mit 384 Followern auch zu kamellen. Aber es wird auch nicht an einer Behebung der Bugs gearbeitet. Seit Monaten Stillstand.

Vor ein paar Wochen stieß ich auf eine Infografik – Vine vs Vimeo – das verstehe wer will, die beiden Tools haben wirklich nichts miteinander zu tun – anyway. Da wurde mir aber einiges klar, denn Vine hat weniger als 50 Mitarbeiter und wahrscheinlich viel zu wenig Ressourcen, um umfassend und nachhaltig zu entwicklen, denn selbst die Website läuft extrem hakelig und entspricht so gar nicht dem State of the art. (Das Webinterface von Instagram ist natürlich auch nicht viel besser). Also liebe Investoren (Twitter!), steckt da mal ein bisschen Kapital rein.

Genug der Meckerei. Jetzt zur Liebe.
Was mich an Vine so fasziniert sind mehrere Dinge.
Ich bin Sound-Fan. Bei den ersten StopMotion Filmen fiel mir auf, dass dadurch ein sehr lustiger „Soundtrack“ entsteht“. Aber auch bei den „durchgedrehten“ Vines ist der aufgenommene Ton oft überraschend. Mir fällt das meistens erst auf, wenn ich das Video sehe, bin ich als visueller Mensch beim filmen doch meist zu 100% auf das Bild konzentriert.

Kein Netzwerk, ist bei mir so international wie Vine. Seltsam eigentlich, ist hier die Sprachbarriere doch viel höher als z. B. bei Instagram. Dort folge ich natürlich auch amerikanischen, englischen, belgischen, italienischen, französichen Menschen und Institutionen, aber die Nationaliät spielt dort eigentlich kaum eine Rolle. Vielleicht liegt es an der Auswahl der Accounts denen ich folge, aber die Kurzvideos transportieren sehr viel mehr Persönlichkeit, Lebensart und Kultur, als statische Bilder und vermitteln mehr über Land und Leute. Viele der Accounts, denen ich folge, haben auch gar nicht unbedingt die gesprochene Sprache im Fokus.

Ähnlich wie bei Twitter bietet gerade die Schlankeit des Tools unglaublich viele Möglichkeiten des Umgangs und der Ausdrucksmöglichkeit. Es gibt viel Raum zum Experimentieren und Ausprobieren. Eine Geschichte in 6 Sekunden zu erzählen, ist eine Herausforderung. Sechs Sekunden können wahnsinnig lang und auch langweilig sein. Wenn man selber etwas filmt, sind sie rum wie nix, und manche schaffen es, da einen gefühlt  abendfüllenden Spielfilm reinzupacken.

Im nächsten Teil stelle ich ein paar meiner Lieblingsaccounts vor und versuche mich an einer Typologie.

Dazu muss ich mein Blog aber erst mal auf „selbstgehostet“ umhieven, um die Videos vernünftig einbinden zu können. Örks.

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9 Comments

  1. Liebe Ute,

    ich kann es verstehen. Auch ich bin andriod Nutzer und teile diese Hass-Liebe mit Dir.
    Wobei ich noch am Anfang von vine stehe, aber ich spüre die Verlockung… auch wenn mein Social Media Herz eher zu Twitter tendiert… aber nun auch zu vine. Die Verwirrung ist groß.

    Aber diese kleinen Videos sind GROßARTIG!!!

    Viele liebe Grüße
    Wera

  2. Liebe Ute,

    danke für den Artikel zu Vine. Ich bin immer noch am überlegen und immer kurz davor es endlich auszuprobieren 🙂 Nun bin ich Apple-Nutzer und damit anscheinend im Vorteil, wobei es da sicherlich auch noch reichlich Bugs gibt.

    Wie sind denn deine Eindrücke so wie sehr es bereits in Deutschland angekommen ist? Ich habe den Eindruck, dass sich vor allem internationale Kollegen dort tummeln. Ich finde das Konzept für Museen auch interessant. Aber gerade zu viele Baustellen bei mir. Ich bin deshalb sehr gespannt welche Accounts du demnächst vorstellst!

    Liebe Grüße
    Michelle

  3. Liebe Ute,

    wunderbar – deine Liebe zu Vine kann ich jetzt nachvollziehen. Den Hass kenne ich noch nicht, da ich Vine nur über Android kenne. Ich habe erst zu #bsgauguinreise15 im Februar die ersten Versuche auf Vine gestartet. Denn ich muss gestehen, ich habe es vorher nicht kapiert, beobachtet habe ich schon einige Accounts und manche Ästhetik gefiel mir sehr gut. Habe mich aber immer gefragt, wie ich denn die Kamerafunktion auslösen kann. Tanja Neumann erklärte es mir dann im Multimedia-Raum der Gauguin-Ausstellung in Basel – faszinierend!
    Die StopMotion-Filmen muss ich noch üben, sonst wird es echt stressig für die Augen.

    Danke für deine Ausführungen – mit Vine kann man prima spielen und ich finde es hervorragend für Museen. Jetzt wäre eine Liste mit Museen, die Vien nutzen sehr schön, ähnlich wie es diese für Instagram von Jenni Fuchs für amerikanische Museen und von Anke für deutsche Museen gibt.

    Weißt du, wie verbreitet Vine unter Museen global und deutschsprachig ist?

    Danke!

    LG,
    Tanja

    • Danke für Deine Rückmeldung, Tanja. Vine wird sicher auch beim IMT15 eine Rolle spielen – Sound!!
      Museen auf Vine, ehrlich gesagt ist mir da noch keins untergekommen, zumal auch die Suchfunktion eher minimalistisch ist und es meines Wissens keine Drittanbietertools gibt, die einem da ein bisschen helfen. Auch die Standortangabe ist in der App nicht anklickbar (es ist wirklich zum verzweifeln) Aber ich klemme mich mal dahinter. 🙂

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