Mein Weg ins Netz

In Vorbereitung zum stARTcamp Wien fragen die Kulturfritzen gerade nach Netzbiografien. Wie war der erste Kontak mit dem Internet?

Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht mehr richtig daran erinnern – ich bin alt und es ist sehr lange her – und ich musste eine Weile im Gedächtnis kramen und sogar in alten Tagebüchern nachlesen.

Fakt ist, das Internet hat von Anfang an eine Faszination auf mich ausgeübt. 1995 habe ich eine einjährige Fortbildung zur Multimdia-Designerin gemacht. Lehrinhalte waren allgemeine Computerdinge, Sound- und Videobearbeiung, Animation und dann ein Autorenprogramm, mit dem man eben multimediale Anwendungen erstellen konnte: computerbased Trainings, Spiele, Info- und Edutainment-Anwendungen. Internet war im Lehrplan nicht vorgesehen! (Man hielt es da mit dem damaligen Standpunkt von Bill Gates: Das Internet wird sich nicht durchsetzten) Wir haben dann mit einigen Mitschülern durchgesetzt, dass wir einen (EINEN!) Tag Internet-Einführunge bekamen.

Zeitgleich habe ich für einen Bekannten, der ein Musik-Lable hatte und dafür damals auch schon eine Internetseite, diese mit Inhalten befüllt und aktualisiert. Das habe ich mit einem Mac gemacht, da gab es ein Programm, wo man nur auf irgendwelche Buttons klicken musste,  d. h. ich wusste überhaupt nicht, was ich da tat. (Das war ja immer schon der Nachteil bei Apple: einerseit war alles intuitiv, andererseits wusste kein Mensch, was er da machte, nojo) Aber immerhin, ich habe schon 1995 an einer Internetseite rumgebastelt.

Nach meiner Fortbildung habe ich dann freiberuflich als Interface- und Screendesignerin gearbeitet. Ich weiß nicht mehr, ab wann ich im Homeoffice dann einen Internetanschluss hatte. 1997 muss es auf jeden Fall gewese sein, denn da wurde ich auf die webggrls aufmerksam. Die waren damals ganz frisch in Deutschland und hatten bundesweit ca. 100 Mitglieder. Die Kommunikation lief anfangs über einen Newsletter, an den man Fragen schicken konnte, die dann von anderen beantwortet wurden. Später gab es dann Mailinglisten. Ich muss sagen, dass ich meine ersten Berufsjahre in der Branche ohne die Webgrrls nicht so easy gewuppt bekommen hätte. Das war schon sehr großartig, ein reines Frauennetzwerk bei dem es schwerpunktmäßig um Internet und Technik ging. Der Umgangston war freundlich, hilfsbereit und wertschätzend. Netiquette war ein wichtiges Thema und darauf wurde an jeder Ecke hingewiesen. Ich frage mich, an welchem Punkt die verloren gegangen ist (also nicht bei den webgrrls, sondern allgemein) und warum das in den vergangenen 20 Jahren, neben anderen wichtigen Themen zur Medienkompetenz, nicht in schulische Lehrpläne aufgenommen wurde.

1998 habe ich mit 2 Partner eine Multimedia Agentur gegründet. 1999 oder 2000 sind wir in neue Büroräume umgezogen und ich weiß noch, dass wir uns damals noch jedes Mal über ein Modem ins Internt einwählen mussten, dann war man mal kurz im Internet und danach musste man sich auch wieder ausloggen. Da hat ja noch jede Minute Geld gekostet! Auf der Telefonanlage konnte man immer sehen, wenn die entsprechende Leitung belegt war. Manchmal hat man das auswählen natürlich vergessen, bis die Kollegin aufgeregt rief: „Du bist noch im Internt!“ und man dann ganz erschrocken die Leitung kappte.

Ich kann mich auch noch an einen Moment erinnern, wo ich voller Abenteuer- und Expeditionslust vor dem Internet saß und dache, so jetzt gehe ich da mal rein … aber wohin? Ich wusste nicht mal, wonach ich suchen sollte (Altavista, MetaGer – Google noch Lichtjahre entfernt. ). Die einzige deutsche Seite die ich kannte, war Spiegel online, aber von da aus führte es auch nicht in die unendlichen Weiten.  Da war noch ganz schön viel Wüste.

SocialMedia: Facebook hat mich lange kalt gelassen, irgendwann trat ich da dann auch bei, habe es temporär recht intensiv genutzt, miteinander warm geworden sind wir nie so richtig. Seit einiger Zeit nervt es mich überwiegend. Ich mache es auf, gucke mir ein oder zwei Beiträge an und mache es wieder zu. Weil es uninteressant ist, nervt, oder weil ich alles schon woanders gesehen habe. Ausserdem verstehe ich die trillionen Funktionen auch nicht mehr. Es will einfach zu viel. Wie so eine Shopping-Mall mit Klamottenläden, Restaurants, Cafés, Kino, Massagestühlen, aber alles nur Ketten und irgendwie ein bisschen billig. Was ganz praktisch ist, sind die geheimen Gruppen, zur Kommunikation oder Projektabwicklung. Weil die meisten eh einen Facebook-Account haben, muss man da nicht noch ein extra Tool einrichten.
Twitter begeistert mich seit 2009. Das schlanke und knappe Format ist voll mein Ding. Und seitdem es die chronologische Timeline wieder im Angebot hat, ist es wieder supertop. (Hallo Instagram!?)
Instagram war ja mal Twitter mit Bildern. Ich mag es immer noch, obwohl auch da die Marketingisierung und Kommerzialisierung zugeschlagen hat. Aber es ist nicht ganz so quälend. Und als visueller Mensch, der schon lange fotografiert, ist es nach wie vor ein Lieblingskanal und es hat mir ja nun auch einen Traumjob beschert. 😉

Ein Leben ohne Internet kann ich mir nur schwer vorstellen. Alleine die Komunikation via Email und Messenger macht das Leben einfacher. Die Silikonfugen im Bad müssen erneuert werden: Bei youtube gucken, wie das geht. Ich brauche eine Information zu igendetwas oder irgendjemand: mal eben googeln. Filme und Serien gucken, wenn ich Lust und Zeit habe und nicht, wenn sie im TV gesendet werden. Es ist toll, über die sozialen Medien mitzukiegen, was Freunde, Bekannte oder ehemalige Kommilitonen machen, mit denen man keinen engen Kontakt mehr hat, oder die an anderen Orten leben.

Obschon, manchmal wünsche ich mir auch die Zeiten zurück, in denen nicht jeder, wo er geht und steht in sein Handy brüllt, oder man, seitdem es diese bescheuerten Sprachnachrichten gibt, man diese auch überall mithören muss, weil die Leute keine Kopfhörer mit sich führen, man überall mit dem Scheppersound aus ebendiesen Kopfhörern konfrontiert wird und überall irgendwelche Geräte plingen, pfeifen, klingeln und sonstige nervigen Geräusche von sich geben. (Wenn man sich in der Öffentlichkeit bewegt, sind alle Geräte auf lautlos zu stellen. Immer! Überall!) Das gehört zu einer Digitalquette, die nie gelernt, gelehrt wurde. Diese akustische Unweltverschmutzung wird m. E. viel zu wenig thematisiert.

 

 

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