Eine Typologie: Museumsschließfächer

Als ich 2018 begann, meine Instagram Storys zu Kunstausstellungen für WDR 3 zu machen, überlegte ich, was ich bei den mannigfaltigen Museumsbesuchen für mich als kleines Fotoprojekt machen könnte. Da ich auf Typologien und Serien stehe, kam ich irgendwann auf die Museumsschließfächer, denn die gibt es fast überall. Seither gilt meine Aufmerksamkeit bei Museumsbesuchen auch immer den Garderoben.

Es ist wirklich interessant, was sich erschließt, wenn man sich mit solch alltäglichen, banalen Dingen beschäftigt und mal einen genauen Blick darauf wirft. Oft sind die Garderoben schäbige kleine Ecken oder Räumchen, irgendwo, der Appendix eines Hauses. Oft sind sie in der Nähe der Toiletten angesiedelt, manchmal im Foyer. Manchmal gibt es dort Personal, meistens nicht. Manchmal sind sie sehr schön gestaltet und integrieren sich auch konzeptionell ins Haus. In der Gesamtschau finde ich es erstaunlich, wie viele unterschiedliche Schließfächer es gibt. Formate, Farben, Beschriftung – ich glaube, es ist kein einziges Doppel dabei.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Das Farbspektrum ist begrenzt: Weiß, Grau, Schwarz, Holz und erstaunlicherweise Rot.

Die Fach-Größen sind total unterschiedlich. Bitter ist es, wenn es nur eine (kleine) Größe gibt, da aber der Rucksack und die dicke Winterjacke nicht hineinpassen.

Interessant sind die Garderoben, wo es ein paar sehr große Fächer gibt, die aber oben angeordnet sind und ich stelle mir vor, dass jemand eine Koffer dabei hat und den dann über den Kopf da hochhieven muss.

Was man im Museum Mensch und Natur dabei haben muss, für diese riesigen Schließfächer, kann ich mir nicht vorstellen. Zwei Koffer?

Museum Mensch und Natur

Museum Mensch und Natur, München

 

Es gibt Schließfächer mit und ohne Geldeinwurf. Warum es die mit Geldeinwurf gibt, verstehe ich nicht.

Manchmal sieht es aus wie in einem Bankschließfachraum, manchmal sind die Schließfächer defekt und nicht mal das Licht ist an, manchmal ist es so eng, dass man nicht vernüftig knipsen kann.

Mein Tipp für Musseen – und andere Institutionen, die Schließfächer haben: Wenn man seine Jacke, Taschen, etc. einschließt, muss man vorher oder nachher möglicherweise etwas aus den Taschen und Jacken umpacken, den Schal in den Jackenärmel rangeln, etc. Dafür ist es hilfreich, wenn es eine Ablagemöglichkeit gibt, wo man die Tasche abstellen kann, damit man dafür nicht auf dem Boden rumrutschen muss. Beim anziehen möchte man wieder hübsch aussehen, da ist auch ein Spiegel hilfreich.

Die Langen Foundation hat das vernüftig gelöst, mit den großen Fächern unten – leider gibt es auch hier keine Ablagefläche. Die sehr außergewöhnlichen Schließfächer im Museum Ludwig haben durchscheinende Türen, hinter denen man das Schließgut erahnen kann. Die Schließfächer im Lehmbruck Museum haben eine ungewöhnlich gerundete Form, wirken in dem Schwarz aber recht martialisch und passen für mich gar nicht zum Haus. Manchmal passen Garderoben mit dem Konzept und Inhalt des Museums gut zusammen, z. B. Im Museum für Arbeit stehen klassische Spinde,  das NRW-Forum geht humorvoll mit dem Thema um.

Noch ein paar Impressionen:

Die schönste Gaderobe ist im Kolumba, im August Macke Haus gibt es elegant bevlieste Kleiderbügel, das Böckstiegel Museum kombiniert eklektizistisch Holzschließfach und Metall-Spind, im Kaiser Wilhelm Museum sind die Beschriftungen mikroskopisch klein, der Kunstpalast hat mehr Garderobe als Schließfach, im Ludwigforum hängt ein einsamer Bügel, im Rautenstrauch-Joest-Museum scheinen die schlanken Schließfächer zu schweben und im von der Heydt Museum ist es ein bisschen strubbelig.

Der Hashtag auf Instagram ist #museumsschließfach und ich freue mich, wenn ich euch zu ein paar Fotos inspirieren kann.

 

13 Kommentare

  1. Ich liebe deine Typologien und die Museumsschließfächer sind Kult. Immer, wenn ich dran denke, knipse ich was für dich mit.
    Ja, da ist noch viel Gestaltungspotenzial, was man mit den Garderoben alles so anstellen könnte, wenn man kreativ damit umgehen würde. Herrlich!!!

    • Vielen Dank, Anke! Und ich freue mich immer, wenn du von deinen Museumsbesuchen Schließfächer mitbringst. Und der Hashtag ist ja für alle da. Vielleicht macht es jetzt einen kleinen Schub. 😊

      • Das wäre schön. Bin für mehr Museumsschließfächer in meiner Timeline. Übrigens finde ich, dass die im Lehmbruck schon gut zum brutalistischen Gesamtambiente des Hauses passen.

  2. ein ganz wunderbares und kluges Projekt. Ich hatte da vorher noch nie darüber nachgedacht, aber wenn ich deine Bilder nun so betrachte, sehen sie selbst aus wie serielle Kunst. Glückwunsch zu dieser Idee und Ausführung – und jetzt, einmal angefangen, musst du immer weitermachen ….

    • Vielen Dank, liebe Uta! Dein Kommentar und das Kompliment freuen mich ganz besonders. 😍 Und klar, Museumsschließfächer fotografieren hört nicht mehr auf.

  3. Wieso ist es verwunderlich, dass Rot häufig vorkommt? Wenn man von Farbgebung und Häufigkeit bei Autos ausgeht passt das sehr gut. Da ist Holz dann schon eher die Ausnahme.

    • Naja, so häufig kommt Rot nicht vor, aber es ist die einzige Farbe (die mir untergekommen ist). Ich würde Schließfächer auch eher den Möbeln, als Fahrzeugen zuordnen. 😉
      Und ist das mit den roten Autos nicht auch schon längst überholt? Die meisten Autos sind doch weiß oder silber oder irgendwie dunkel. Insgesamt farblos, oder?

  4. Kann es sein, dass die riesigen Schließfächer für Gruppen sind, z. B. für Schulklassen? Da hat dann die Lehrkraft den Schlüssel und die Kinder brauchen ihre Rucksäcke nicht einzeln einzuschließen.

  5. Tolle Fotos!. Ich werde in Zukunft einen ganz anderen Blick auf Schließfächer haben. Im Museum Mensch und Natur waren wir früher sehr häufig mit unseren drei Kindern. Über so ein großes Schließfach hätte ich mich damals wirklich gefreut, da dort alle Jacken, Mützen, Handschuhe, Wickeltasche usw. von fünf Personen Platz gefunden hätten. So mussten wir immer mindestens drei Schließfächer belegen.

    • Liebe Martina, danke für das Kompliment. Familienschließfächer – das macht Sinn! 🙂 Und sicher ein guter Hinweis für Museen, die nur so mini Fächer haben, wo vielleicht gerade mal ein Handtäschchen reinpasst.

Schreibe einen Kommentar zu Martina Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.