Spurensuche Tag 4 – Lommatzsch

Irgendwie erinnere ich mich aus den Erzählungen meiner Oma an den Namen Lommatzsch. In welchem Zusammenhang weiß ich leider nicht mehr. Lommatzsch ist die Stadt in der Lommatzscher Pflege.

Die Lommatzscher Pflege ist eine historisch gewachsene Region, deren Name seit 1517 in einer Stiftungsurkunde zugunsten des Klosters Meißen belegt ist.
Der Begriff
Pflege” bezeichnete im mittelalterlichen Feudalwesen einen Bezirk, der einem grundherrlichen Beamten zur Verwaltung übergeben wurde. Später wurde dies die allgemeine Bezeichnung für einen kleineren Verwaltungsbezirk. Bis heute hat sich – wie bei der Lommatzscher Pflege – der Begriff als Landschaftsbezeichnung erhalten.

Ich besuchte zuerst das kleine Heimatmuseum, das zwar rührig, aber doch arg strubbelig ist und keinerlei Ansatz zu irgendwelcher Recherche bietet. Ich bekam eine Adjutantin an die Seite gestellt, die mich durch das Haus führte und die eine oder andere Information einwarf. (Sie wartete sogar auf mich, als ich auf dem Weg zum Ausgang mal aufs Klo musste). Sie war erst recht mürrisch, taute dann im Gespräch aber merklich auf und war dann sehr freundlich. (wie sehr viel Sachsen übrigens) Es stellte sich heraus, dass sie selber erst seit vier Jahren in Lommatzsch lebt und mir somit keine konkreten Frage zur Vergangenheit der Stadt beantworten konnte.

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Spurensuche Tag 3 – emotional

Eigentlich wollte ich heute mal eine Pause machen. Seit neun Tagen bin ich ununterbrochen am tun und am machen, habe Trubel um mich. Heute morgen war ein bisschen die Luft raus. Ich habe etwas länger geschlafen, ein bisschen rumgedörmelt, telefonisch ein paar Dinge organisiert und dann einen Spaziergang gemacht und mich vom kräftigen Wind durchpusten lassen.
Dann dachte ich mir am Nachmittag, ach komm, dann fahre ich noch zu dem Ort, wo meine Großmutter bei ihren Großeltern aufgewachsen ist, das ist nämlich nicht weit von meinem Basecamp hier in Döbeln entfernt.

Ich wusste, dass es das Haus nicht mehr gibt. Meine Großmutter war mit meinen Eltern vor ca. 25 Jahren schon mal dort und da war es schon nur mehr eine Ruine. Da ich nicht wusste, wo genau das Grundstück ist, musste ich rumfragen, habe bei zwei Häusern geklingelt und dann waren da Leute, die schon immer dort lebten. Der alte Vater kam hinzu und er konnte sich tatsächlich noch an meinen Ururgroßvater erinnern. Der habe zu Feiertagen ein Grammophon rausgestellt und man hörte gemeinsam Musik. Seine Mutter habe immer gesagt, das Haus der Ururgroßeltern sei das schönste im Dorf. Auch an einen der Söhne konnte er sich erinnern. Von dem weiß ich, dass er im 2. Weltkrieg gefallen ist. Meine Großmutter kannte er nicht, aber ich habe dann in Gedanken kurz sein Alter überschlagen und vermutlich war sie schon fortgezogen, als er ein kleines Kind war.

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Spurensuche: Wilsdruff

Einer meiner Ururgroßväter wurde 1824 in Lichtenberg im Erzgebirge geboren. Er heiratete 1858 im gut 30 km entfernten Wilsdruff und starb 1883 im ca. 12 km entfernten Freital. Der Mann war Handarbeiter und Tagelöhner, von der Ururgroßmutter weiß ich fast nichts.

Historische Ansicht, Wilsdruff-Marktplatz

Nun ist mir bei meiner kleinen Spurensuchereise klar geworden, dass mich gar nicht so sehr die Geburts- Heirats- und Sterbedaten interessieren – die sind natürlich als Anhaltspunkte sehr wichtig – sondern das dazwischen.

Warum ist einer von A nach B gereist? Wie und wo haben sie gelebt? Wie sahen die Orte damals aus? Wie der Alltag? Wie ist der Bezug zur Regional- und Weltgeschichte?

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Spurensuche – Familienforschung

Seit bestimmt 15 Jahren will ich diese Reise machen, aber irgendwas fehlte immer: Auto, Geld, Zeit. Dann passte plötzlich alles, ich plante, arrangierte – und dann kam mir kurz vor knapp doch wieder das Leben dazwischen. Ich ziehe es trotzdem durch, auch wenn ich es verkürzen musste und inhaltlich völlig unvorbereitet bin: keine Termine bei Archiven, oder sonst wo. Ich stolpere einfach so von Ort zu Ort – in Sachsen.

Heute war ich in Lichtenberg im Erzgebirge. Mindestens drei Generationen meiner Vorfahren haben dort gelebt. Ich war als erstes bei der Dorfkirche, die blöderweise geschlossen war, habe auf dem Friedhof nach Namen gesucht, die ich unter meinen Vorfahren habe (und nichts gefunden, weil das alles zu lange zurückliegt). Habe vergeblich versucht das Pfarramt telefonisch zu erreichen. Dann bin ich einfach mal ins Rathaus spaziert, wurde von Kollegin zu Kollegin zu Kollegin verwiesen und saß dann bei einer sehr sympathischen Mitarbeiterin in einer kleinen Amtsstube und habe die Chronik des Nachbardorfs, die zur 800-Jahr-Feier herausgegeben wurde, quergelesen. Wir haben nett geplaudert, ich habe die Chronik des Hauptorts gekauft und zog wieder von dannen.

Kirche Lichtenberg i. E.

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