Empty Kunsthalle Karlsruhe

Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe wird saniert. Kurz bevor sie an die tatsächlichen Baumaßnahmen übergeben wird, lud sie zu einem Instawalk durch die (fast) leeren Räume ein.

Vor einigen Wochen hatte ich auf Instagram schon gesehen, dass dort ein Presserundgang stattfand und ich dachte mir: Ach, da wäre ich gerne mitgegangen und kurz darauf flatterte mir die Einladung ins Postfach.

An dieser Stelle sei schonmal erwähnt, wie großartig ich den offenen und proaktiven Umgang mit der Sanierung finde. Das ist nicht überall so!

1830 initiierte Großherzog Leopold von Baden eine Gemäldegalerie. 1846 wurde der erste Teil der von Beginn an geplanten Vierflügelanlage nach Plänen von Heinrich Hübsch umgesetzt. Hübsch wollte einen Ort schaffen, „wo Auge, Gefühl und Gedanke Hand in Hand gehen“. Schöne Vorstellung.

1891 wurde der zweite Gebäudeteil von Josef Durm erstellt, er sah schon ein Glasdach für den Innenhof vor, das aber erst jetzt mit der Sanierung realisiert werden wird. Um 1909 entstand der dritte Flügel unter Heinrich Amersbach. Hier existiert heute nur noch die Fassade. Im zweiten Weltkrieg wurde die Kunsthalle stark beschädigt und 1951 wiedereröffnet. Mitte der 1970er Jahre wurde ein Wettbewerb für den vierten Flügel ausgeschrieben und der Karlsruher Architekt Heinz Mohl bekam den Zuschlag. Im Zuge dieser Neuplanung wurde der Amersbach Flügel abgerissen und erst 1990 wurde der Neubau eröffnet.

Wen weitere Details zu der Architekturgeschichte interessieren, bitte hier klicken.

Blick aus dem Innenhof der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe in den Himmel

Hier kommt ein Glasdach hin

Nun also Sanierung. Wichtige Aspekte sind hier Klimatisierung, Barrierefreiheit, technische Infrastruktur und konservatorische Erhaltung und Wiederherstellung der denkmalgeschützten Säle im Erdgeschoss.

3.500 Werke aus den wichtigsten Epochen der europäischen Kunstgeschichte sowie knapp 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken umfasst die Sammlung der Kunsthalle Karlsruhe. Schwerpunkte der Sammlung bilden die Kunst des Mittelalters und der Renaissance, die Niederländische Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts sowie die Französische Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

Wir Herbergsmütter sind der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe seit einigen Jahren freudig verbunden, hat sie doch schon sehr früh auf digitale Vermittlung und Kommunikation gesetzt und ist kreativen Formaten sehr aufgeschlossen. (Natürlich das Team, das dort arbeitet.) Mit #Wirziehnfallera, und insbesondere während der Pandemie mit #Kunsthalleathome und #Inventingnature haben wir lustige und partizipative Aktionen für und mit der Kunsthalle realisiert.

Als ich im Rahmen der Ausstellung “Inventing Nature”  im Oktober 2021 zum ersten Mal in der Kunsthalle Karlsruhe war, habe ich mich gar nicht um die Sammlung gekümmert. Also ging ich nun erst mal ins ZKM, wo Highlights aus der Sammlung gezeigt werden. Ganz besonders schön für mich war, dort die Originale zu sehen, die ich für eine digitale Tour entdeckt und “begangen” haben. Mir hat die Präsentation hier gut gefallen, weil sie sehr komprimiert und dicht ist. Andererseits sind die Räume im Vergleich zur Großzügigkeit der Kunsthalle etwas beengt und den Charme der Industriearchitektur hat man völlig ausgeschlossen.

Jetzt hatte ich nochmal gelesen, dass die Kunsthalle schon Ende Oktober 2021 geschlossen wurde – und erst jetzt, zwei Jahre später, ist sie komplett leer und bereit, um tatsächlich mit der Sanierung zu beginnen.

Der kaufmännische Geschäftsführer Florian Trott begleitete den Instawalk versiert und unterhaltsam. Er berichtete, dass im Zuge der Maßnahmen jedes einzelne Teil, das sich in den Gebäuden befand, in die Hände genommen und überlegt wurde, was damit geschehen soll. Der Gedanke der Nachhaltigkeit war immer mit dabei. So werden zum Beispiel die Transportkisten – die man ja beim Einräumen der Kunsthalle wieder benötigt – vermietet, verliehen oder interimsweise benutzt. Das Interieur wurde zum Teil verkauft oder verschenkt. Ein bisschen bitter ist, dass man die vielen Regale und Schränke der ehemaligen Grafikabteilung nicht weiter verwenden kann, da man festgestellt hat, dass sie nicht ohne Verluste demontierbar sind. Dass auch Museumschließfächer für den Sperrmüll markiert waren brach mir das Herz. Aber vielleicht finden sich da noch Abnehmer*innen.

An vielen Stellen war im Bereich der Wände der Boden aufgebrochen. Das waren sozusagen archäologische Untersuchungen der Bausubstanz, die die Architekten vorgenommen hatten, um Überraschungen vorzubeugen. An einer Stelle entdeckte man drei Schichten Parkett übereinander.

Bei den Leuchten, die ein bisschen aussehen, wie Lüftungsventilatoren und die von Heinz Mohl installiert wurden, hatte man die Befürchtung, dass man sie auch entsorgen müsse, da es die entsprechenden Leuchtmittel nicht mehr gibt. Aber die Lichtplanerin hat eine Firma gefunden, die diese nun auf LED-Basis produzieren wird und somit wurden die Leuchten gerettet.

Deckenleuchten

Deckenleuchten

Das Bild, das hier hing war eins der letzten, das die Kunsthalle verließ und entschwand aufwändig mit Kran und halb gesperrter Straße durch das Fenster. EDIT: Die Kunsthalle hat zu der Aktion einen Beitrag mit Video gemacht (Danke für den Hinweis, Tabea). In der Tat ein Kraftakt!

Wir gingen bis in den Keller, hier hat früher die Kunstvermittlung gewerkelt. Von diesem Raum wird ein Tunnel gebaut, der als Passage zu einem zukünftigen Erweiterungsbau führen wird.

So leere Museumsräume sind ja ambivalent. Einerseits liegt hier der Fokus ganz auf der Architektur, der man sich ohne Ablenkung widmen kann, andererseits sind die Räume ihrer Funktion beraubt und strahlen insbesondere dann etwas trauriges aus, wenn die Leerstellen an den Wänden durch Verfärbung oder Strippen markiert sind. Auge, Gefühl und Gedanken – das wurde auf jeden Fall bedient.

Die Wiedereröffnung ist für 2029 anvisiert. Ich drücke allen Beteiligten die Daumen, dass das klappt und dem Team der Kunsthalle gutes Gelingen mit allen digitalen und interims Aktionen!

 

Transparenz: Ich wurde zu dem Instawalk eingeladen, Fahrtkosten und Übernachtung wurden übernommen. Für die Dokumentation auf Instagram und im Blog erhielt ich ein Honorar.

 

 

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