Eine Typologie: Museumsschließfächer

Als ich 2018 begann, meine Instagram Storys zu Kunstausstellungen für WDR 3 zu machen, überlegte ich, was ich bei den mannigfaltigen Museumsbesuchen für mich als kleines Fotoprojekt machen könnte. Da ich auf Typologien und Serien stehe, kam ich irgendwann auf die Museumsschließfächer, denn die gibt es fast überall. Seither gilt meine Aufmerksamkeit bei Museumsbesuchen auch immer den Garderoben.

Es ist wirklich interessant, was sich erschließt, wenn man sich mit solch alltäglichen, banalen Dingen beschäftigt und mal einen genauen Blick darauf wirft. Oft sind die Garderoben schäbige kleine Ecken oder Räumchen, irgendwo, der Appendix eines Hauses. Oft sind sie in der Nähe der Toiletten angesiedelt, manchmal im Foyer. Manchmal gibt es dort Personal, meistens nicht. Manchmal sind sie sehr schön gestaltet und integrieren sich auch konzeptionell ins Haus. In der Gesamtschau finde ich es erstaunlich, wie viele unterschiedliche Schließfächer es gibt. Formate, Farben, Beschriftung – ich glaube, es ist kein einziges Doppel dabei.

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ZKM – vier Ausstellungen, die ich nicht sah

Meinen Aufenthalt in Karlsruhe habe ich natürlich auch dazu genutzt, das ZKM zu besuchen. Dort war ich erst einmal und das ist bestimmt 20 Jahre her. Ich hatte damals eine Ausstellung über Überwachung gesehen, die mich nachdrücklich beeindruckt hatte.

Ich hatte im Vorfeld mal kurz über die Website des ZKM gescannt, mich aber nicht näher damit beschäftigt, und ging dorthin, mit dem Gedanken, ach, da ist eh alles eine Bank.

Ich bezahlte das komplette Programm und ging als erstes in die große Sonderausstellung „Critical Zones“. Und ich habe NICHTS verstanden. Auf der gefühlt Fußballfeld großen Ausstellungsfläche und das auf drei Etagen, die im Halbdunkel lagen, waren Skulpturen, Zeichnungen, und vor allem jede Menge Videos zu sehen, alles mutete naturwissenschaftlich an. Ich habe überhaupt keinen Anpack gefunden und war komplett überfordert.

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Inventing Nature – Kunsthalle Karlsruhe

Seit ca. einem Jahr gehe ich mit Inventing Nature im Kopf umher. Die Ausstellung der Kunsthalle Karlsruhe sollte ursprünglich im Frühjahr 2020 eröffnen – dann kam allerdings die Corona-Pandemie dazwischen. Wir Herbergsmütter wurden damals schon angefragt, ob wir dazu eine Aktion im digitalen Raum entwickeln wollten – ja, wir wollten! – nun ja, alles hat sich um ein gutes Jahr verschoben.

Nachdem wir jetzt im September/Oktober 2021 mit #JetztKunstPflanzen (Twitter & Instagram) uns selbst und andere begeistert haben, war ich nun endlich in Karlsruhe und zum ersten Mal in der Kunsthalle, um mir die Ausstellung anzugucken und konnte das idealerweise mit einem von der Kunsthalle organisierten Instawalk verbinden.

Die Ausstellung zeigt, wie sich die Beziehung zu und der Blick auf die Pflanzen und die Natur gewandelt hat und wie dies in der Kunst zum Ausdruck kommt. Das trifft den Zeitgeist-Nagel natürlich auf den Kopf. Was mich nach der Betrachtung des Katalogs schon vorab begeisterte, war die Kombination von (na ja ich sag mal) „alter“ und zeitgenössischer Kunst.

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Familienreisen 1969-1976

1973 Cesenatico

Ich habe ca. 1.500 Dias von meinem Vater digitalisieren lassen, nachdem ich alle vorher gesichtet und sicher die Hälfte entsorgt habe. Es geht los Anfang der 60er Jahre und endet Mitte der 80er Jahre. Seither arbeite ich mich da durch und versenke mich in Erinnerungen. Das ist zum Teil sehr schön, aber auch wehmütig. Ich sehe meine jungen Eltern mit den Augen der Erwachsenen und dadurch auch ganz neu. Ich würde sie gerne treffen, mich mit ihnen unterhalten, Fragen stellen, Dinge erklären, mich entschuldigen.

Ich hatte auf Instagram eine kleine Serien der Familienurlaube gepostet. Der erste ist 1969, es ging nach Tirol. Ich war drei Jahre alt und es ist mir rätselhaft, wie man sich mit einem Kleinkind, das man sicher sehr oft und lange tragen muss, für einen Urlaub in den Bergen entscheiden kann. Mir fällt auf, wie unpraktisch meine Eltern gekleidet sind. Meine Mutter im Kostüm, mein Vater mit Jackett und teilweise mit Krawatte. Auch ich wurde zum Teil schick gemacht.

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Berlin 1967

Brandeburger Tor 1967

Ich habe 1.500 Familienfotos digitalisieren lassen und schwelge jetzt.

U. a. waren da auch ein paar Fotos, die mein Vater im November 1967 bei einer Forbildung in Berlin gemacht hat. Die Mauer war da gerade mal 5 Jahre alt. Ich schätze, dass es meinen Vater sehr berührt hat, das zu sehen. Er wurde in Leipzig geboren, ist allerdings in Niedersachsen aufgewachsen, da meine Oma mit ihm gleich nach dem Krieg die „Ostzone“ verlassen musste. Aber es gab (und gibt) eine große Familie im Osten, die man seit Beginn der 60er Jahre eben nicht mehr so einfach besuchen konnte – und die schon mal gar nicht in den Westen reisen konnten.

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Eine Villa in Nippes – twittern hilft

Kretzer Villa, Köln Nippes

In Nippes steht eine Villa, die mich schon seit Jahr und Tag fasziniert. Weil ich sie wunderschön finde, sie einen außergewöhnlichen Anstrich hat und weil sie so gar nicht hierhin passt.

Neulich hatte ich versucht, etwas über das Haus herauszufinden und bin auf der Denkmalseite der Stadt Köln gelandet. Diese Seite ist einfach unterirdisch in der Bedienung und Funktionalität. Gucken sich die Leute, die sowas entwickeln eigentlich selber mal an? Die Suche funktioniert überhaupt nicht, also habe ich mich über die Buchstaben bis zur Nordstr. 17 a durchgehangelt. Ganz schlimm ist, dass man nur 10 Ergebnisse pro Seite angezeigt kriegt. Das heißt, nach jedem Klickt, die Seite nach unten scrollen, wieder klicken, Seite nach unten scrollen, etc.

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Atelierbesuch bei Peer Böhm

Nachdem der Kölner Künstler Peer Böhm nun zum zweiten Mal via Instagram ein Bild von mir zu Kunst verarbeiten wollte, stand ja mal ein Atelierbesuch an.

 

Peer BöhmPeer arbeitet mit alten Fotos, die er findet – oder sie ihn – so gut wie nie kommen sie aus seinem privaten, familiären Kontext. Was ihn genau anspringt, konnte er mir gar nicht richtig erklären. Oft ist es eine bestimmte Farbigkeit – die in seinen Bildern dann gar keine Rolle mehr spielt.

Die Fotos werden am Computer so bearbeitet, das sie nach einem Schwellenwertverfahren nur noch 2 Farben enthalten. Information ja oder nein. 0 oder 1. Dann werden die Bilder auf einen Malgrund übertragen. Peer arbeitet mit Kugelschreiber, Aquarell oder Acryl.

Das Thema das ihn antreibt ist Erinnerung.

 

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Wiederbegegnung – zeitgenössische Keramikkunst

Corinna Bernshaus

Es gibt ja diese wunderbaren Geschichten, wie sich Menschen über Social Media kennenlernen und dann entstehen daraus wunderbare Projekte, Beziehungen und Freundschaften.

Aber es geht auch andersherum.

Corinna Bernshaus kenne ich schon sehr lange. Als ich anfing zu studieren traf ich sie im Grundstudium im Werkstattkurs. Sie hatte ursprünglich Keramikdesign studiert, dann aber nach dem Grundstudium zu Objekt-Design gewechselt und musste dann noch nachträglich die Werkstattkurse absolvieren. So lernten wir uns zwischen Kreissäge, Schleifmaschine und Schweißgerät kennen und stellten schnell fest, dass wir viel gemeinsam hatten. Wir verbrachten viel Zeit miteinander, verreisten gemeinsam, und da Corinna damals Musik machte, war ihre Band der Protagonist für meine Diplomarbeit. (In diesem Blogpost habe ich kurz was über die Intention meiner Diplomarbeit angerissen)

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Rebellische Pracht – Produktdesign der 1980er Jahre

Als ich von der Ausstellung Rebellische Pracht – Design-Punk statt Bauhaus im Marta Herford hörte dachte ich zuerst: „Cool, Punk!“ Und dann „Oh nein, der gräßliche Kram! Den fand ich damals schon scheußlich.“ (Ich sagte das auch genau so Museumsdirektor Roland Nachtigäller, nicht dass ihr denkt, ich lästere hier hinterrücks. 😉 )

Als wir Herbergsmütter dann Ende Juni in Herford waren, habe ich mir die Schau natürlich auch angeguckt und ich muss bisschen relativieren …

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Podcasts – ich kann Euch nicht zuhören

Diplomarbeit

Da inzwischen gefühlt jeder Zweite einen Podcast produziert und jeder begeistert Podcasts hört, fühle ich mich bemüßigt eine kleine Gegenrede zu schreiben – auch um das selber zu verstehen.

Ich nämlich nicht.

Ich habe ein Problem mit dem zuhören. Nicht mit dem hören, ich höre nämlich sehr gut. Manchmal zu gut, da höre ich das Gras wachsen.

Es gibt Geräusche, die fahren mir geradezu schmerzhaft in den Körper. Zum Beispiel dieser furchtbar scheppernde Sound, der aus Kopfhörern nach draußen dringt. Im Zug oder der Straßenbahn bin ich manchmal kurz vor dem durchdrehen. Ich kann das teilweise vom einen zum anderen Abteilende hören. Und dann kann ich es nicht ausblenden. Ich empfinde das als akustische Umweltverschmutzung, genau wie all die Geräusche, die ein Smarphone macht, pling, pfeif, tipp. Am überflüssigsten sind Tastentöne, am absurdesten das den klappenden Verschluss einer Spiegelreflexkamera imitierende Geräusch einer Handykamera.

Ich bin extrem geräuschempfindlich, aber das ist ein anderes Thema.

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