Liebe Theater auf Instagram,

es ist sehr schön, dass ihr da seid, aber …

Wir kennen nun bestimmt jeden Winkel hinter den Kulissen Eures Hauses. Den Kostümfundus, den kleinen Flur hier, die Treppe dort hinten, die Garderoben, die Maske, die Werkstatt, die Kantine – halt, es gibt definitiv zu wenig Kantinenfotos!

Wir verfolgen in der Maske die Verwandlung von Schauspieler NN in Figur XY  im Zeitraffervideo, den Bühnenbildauf- und abbau,  – gerne auch im Zeitraffervideo (ich gebe zu, Zeitraffervideos haben immer was faszinierendes, eigentlich egal was zu sehen ist). Wenn man so ein unglaubliches Bühnenbild wie beispielsweise die riesigen Laufbänder zu den Räubern im Residenztheater hat, kann man das natürlich mal exzessiv abfeiern, wenn nicht, wäre eine richtige Geschichte zum Bühnenbild interessant, aber dann bitte mit Anfang, Mitte und Ende, über die Konzeption, den Entstehungsprozess, Materialien, O-Töne vom Gestalter und den Bühnenarbeitern, da gliedern sich dann auch geschmeidig Auf- und Abbau ein.

Wir sehen das eine oder andere Probenfoto (bei den großen Institutionen eigentlich selten), Szenenfotos, oft die perfekten offiziellen, mit Hinweisen zu Spielterminen (Reklametafeln).

Abfotografierter Schlussapplaus – für die Schauspieler und Beteiligten immer ein total wichtiger Moment – als Foto wahnsinnig langweilig und austauschbar.

Verbeugen

Naaaa, welches Theater, welches Sück?

Abfotografierte Flyer, Plakate, Mearchandising-Beutel, es gibt wenig, was noch langweiliger ist (abfotografierte Bücher und Zeitungsartikel vielleicht, die kommen aber eher auf Twitter vor – und auch nicht bei Theatern. Abfotografierte Kunst in Museen ist auch meistens sehr langweilig, aber ich schweife ab.)

Das ist alles in homöopathischen Dosen in Ordnung. Aber wir wären jetzt bereit für den nächsten Schritt.

Zum einen ist Instagram ja eine Fotoplattform. Das muss man vielleicht nochmal erwähnen. Da wünscht man sich dann auch eine eigene Bildersprache, oder überhaupt eine Bildersprache. Ob der Fotos kann man viele Theater nicht von anderen unterscheiden. Nun ist nicht jeder SocialMedia-Beauftragte auch ein begnadeter Fotograf, aber wenn man sich schon auf einer Fotoplattform präsentiert, könnte man sich ja mal ein paar Grundlagen über Bildausschnitt, Perspektive, Bildkomposition angucken. Es müssen auch gar keine perfekten, geleckten Fotos sein, die sind ja oft auch langweilig, die Hauptsache ist, die Bilder sprechen. Die Gestaltgesetze  sind beispielsweise eine wunderbare Hilfe, um mal ein paar Dinge auszuprobieren und das Auge zu schulen. Ebenfalls hilfreich, die Trillionen Mems, Assignments und Challegenges, die es auf Instagram gibt. Sie trainieren ebenfalls den Blick, genau hinzuschauen, die Wahrnehmung zu fokussieren. Throwbackthursday, Treppenhausfreitag, Fensterdienstag, Lampenmittwoch,  – um nur wahllos ein paar sehr populäre zu nennen.

Das ist nämlich visuelle Kommunikation was ihr da macht und normalerweise studiert man sowas. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass man unbedingt studiert haben muss, um einen Kommunikationskanal zu bedienen, aber vielleicht ein Denkanstoß, dass es da um Eure Aussendarstellung, um Euer Haus als Marke geht und nicht in erster Linie ums Ticket verkaufen.

Jetzt aber zum wesentlichen Punkt: Wann weitet ihr das, was ihr im Theater macht, in den digitalen Raum aus? Also inhaltlich. Twitter und Facebook werden von den meisten ja eh schon nur als Reklametafel oder Einbahnstraßen-Marketing-Tröte benutzt. Bei Instagram stelle ich das auch mehr und mehr fest. Ein Foto und drunter :“Heute Abend spielen wir dieses“, „Morgen Premiere von jenem“, … Gähn.

Das Eins-zu-eins-abbilden der Gegebenheiten kann doch nur der erste Gehversuche gewesen sein, jetzt muss es doch auch mal weiter- und tiefergehen.

Instagram ist ja inzwischen auch ein Kurzvideoformat. Da liegt es doch auf der Hand, aus dem Theater auch mal was Bewegtes und Gesprochenes zu zeigen. Textschnipsel, Interviews, O-Töne, Soundcollagen, es gibt so viele Möglichkeiten. Ich bin manchmal einfach nur fassungslos, dass die Kernkompetenz des Geschichtenerzählens scheinbar an der Bühnenkante aufhört.

Sehr begeistert bin ich gerade von den Theaterwelten aka Michael Stacheder, der seine erste Oper L’elisir d’amore inszeniert und uns von Beginn an, sowohl auf Twitter als auch auf Instagram, am Entstehungsprozess teilhaben lässt (und es ist tatsächlich mit das Beste, was ich derzeit auf Theaterkanälen sehe). Wie war ich begeistert, als ich sah, dass er mit Pinsel und Farben Szenarien malt, dass er kleine Figuren aus Papier bastelt, dass er sich H0 Figuren bestellt und mit ihnen Szenarien baut. Er erzählt uns von seinen Inspirationen, von dem was er sieht und hört und was in seine Arbeit mit einfließt.

theaterwelten inszeniert L’elisir d’amore

Ich bin kein ausgesprochener Opernfan, aber das ist alles so fabelhaft und macht so neugierig, dass ich vielleicht im Sommer von Köln nach Bad Aibling fahren werde, um mir diese Oper anzuschauen, einfach, weil er seine Leidenschaft und Begeisterung mit mir teilt und mich in das Thema reinzieht. Da will ich doch auch das Ergebnis sehen!

Fang den Trickser ist eine zweite Geschichte, die mich derzeit fasziniert. Eine Produktion von Dekoltas Handwerk . Seit 7 Wochen gibt es den Instagram Account, es werden mehr oder weniger kryptische Bilder und Videos gepostet, es erschließt sich mir nicht wirklich, um was es geht, aber das ganze entwickelt einen solchen Sog und Spannung in einer ganz eigenen Ästhetik, dass es mich ebenfalls sehr neugierig macht. Leider ist der Trickser ein Fan von Mosaiken (ächz), aber Schwamm drüber – in diesem Fall. Ausserdem ist der Trickser sehr sympathisch, er kommentiert und reagiert auf andere Fotos, tritt in Dialog. Das ist übrigens auch etwas, wo sich sehr viele Kulturinstitutionen schwer mit tun, aber das wäre nochmal ein ganz anderes Thema.

Hier noch ein paar weitere Bilder die eine Geschichte erzählen und die mich neugierig machen:

 

Kennt ihr noch Instagram Accounts, aus der Theaterwelt, die es gut machen? Vielleicht auch aus der freien Szene?

 

 

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16 Comments

  1. liebe ute,
    du hast da zwei ganz wunderbare beispiele rausgesucht, interessanterweise aber keine, die von theateraccounts ausgehen. beides sind ja irgendwie produktionsaccounts – bei michael ist es der regisseur, der uns mitnimmt, bei fang den trickster eine theaterproduktion, die social media mal neu versucht auszuloten im aufmerksammachen auf eine produktion, aber eben ganz gezielt auf eine produktion. ich bin ja nun einer der vehementesten verfechter von #theaterimnetz und freue mich daher sehr, dass du diese beispiele exponierst, weil sie wirklich spaß machen und auf ganz verschiedene art einblicke in die produktion geben. beides vorbildhaft für theaterkompanien oder freie gruppen, die uns am entstehungsprozess teilhaben lassen könnten und uns mitnehmen auf die inszenierungsreise.

    wenn du es aber mit theaterhäusern vergleichst, dann ist es ein wenig, wie äpfel mit birnen zu vergleichen. ich spreche hier auch aus meiner erfahrung als neuer leiter der WABE, die zwar konzerte räsentiert, aber eben auch bühne ist, und ich (das hätte ich vorher nicht gedacht) merke, wie schwer es für institutionen mit ständig wechselndem programm (also z.b. theater, produktionshäuser, gastspielbetriebe) ist, gerade instagram und twitter adäquat und originell zu bespielen. ich bin jeden tag mindestens einmal unglücklich deswegen. dafür gibt es mehrere gründe:
    1) du steckst nicht im produktionsprozess. proben sind heilige zeit, da stört jeder, der von außen was nach draußen tragen möchte. gut also, wenn jemand aus der produktion heraus die sozialen netzwerke befüttert. dies ist bei deinen beiden beispielen der fall -> produktionsinterne accounts.
    2) theater, konzertbühnen etc. haben i.d.r. nicht nur eine produktion, die sie von anfang an begleiten könnten oder müssten. täglich wechselndes repertoire, wenn nicht gar einmalige auftritte -> dies verlangt, ständig unterschiedlichen produktionen aufmerksamkeit widmen zu müssen, ein gleichgewicht zu wahren, damit sich niemand benachteiligt vorkommt oder der follower das gefühl bekommt, die produktion liefe wohl nicht gut, deshalb machen die hier so viel
    3) als social-media-mensch in einer institution bist du oft der letzte, der an die produktion rankommt (siehe auch punkt 1), d.h. was kannst du anderes erzählen als vom auf- und abbau, von garderobengesprächen oder szenenbildern aus der seitenbühne.
    4) gerade bei instagram wird ja auch viel wert auf einen abwechslungsreichen und originell bespielten account gelegt: zehn fotos vom drumherum ein und der selben produktion – es kann einen account „kaputt“ machen (dafür ist aber instastory ganz gut, wenngleich flüchtig – seit kurzen gibt es ja die album funktion, die könnte ich mir in so einem zusammenhang gut vorstellen).

    ich versuche mal, das am beispiel meiner eigenen arbeit in der WABE zu verdeutlichen (wohlgemerkt ist social media nicht meine einzige aufgabe, sondern eine von vielen und zwar die, die immer als erstes runterfällt, weil booking, verträge aufsetzen, die spielpläne befüttern, die website basteln und aktuell halten, künstler_innen wegen GEMA-listen, copyrightangaben etc. hinterherrennen, ticketreservierungen beantworten, abendkasse organisieren, die techniker koordinieren und dienstberatungen aussitzen auch dazugehören und irgendwie notwendiger sind, um den verantsaltungsbetrieb am laufen zu halten. dass dies eigentlich aufgaben für drei sind, weiß ich, und das sollte an dieser stelle auch nicht diskutiert werden, daher breche ich es mal auf die barrieren runter, die, so glaube ich, auch in theatern, wo es eine eigene stelle für digitales gibt, fast unüberwindbar sind).
    ich habe 12 – 15 veranstaltungen im monat, die alle gut besucht sein wollen, wofür ich von meiner seite aus tue, was ich schaffe. also versuche ich ein abwechslungsreiches posting, das selten über eine ankündigung hinausreicht. auf facebook können es videos und veranstaltungseinladungen sein, fotos oder links zu albumrezensionen etc., auf instagram läuft es auf hübsch dekorierte flyer oder geklebte plakate im stadtraum hinaus, wenn ich nur mit eigenem bildmaterial arbeiten möchte. zu den veranstaltungen selbst: ich lerne die künstler_innen meist erst drei stunden vor konzertbeginn persönlich kennen, da sind sie aber mit soundcheck beschäftigt und dann hübschen sie sich auf oder versuchen sich auf ihr konzert zu konzentrieren. jemand, den sie nicht kennen, stört da meistens (da haben theater mit festen social-media-leuten etwas mehr glück und bekommen wenigstens garderobenaudienz). während des konzertes kann ich mal für inststory ein paar sekunden mitfilmen, da ich aber nie sicher weiß, was passiert, gelingt das eher schlecht als recht, zumal bühnenlicht und handykameras immer noch auf kriegsfuß miteinander stehen. am nächsten tag oder während das programm noch läuft, einen glücklichen schnappschuss auf instagram hochzuladen, auch das erschöpft sich in der regel und „ätsch, verpasst..“ ist auch suboptimal.
    um einen einheitlichen look und einen widererkennungswert zu schaffen, habe ich mich beim instagramaccount der WABE entschieden, um jedes bild einen weißen rahmen zu machen, das erlaubt mir, ästhetisch unterschiedliche fotos zu posten und trotzdem einen einheitlichen look zu kreieren, den ich für instagram (siehe oben) wichtig finde (abgesehen davon, dass ich auch beim einzelnen foto auf bildkomposition achte). und ich nutze die wochenhashtags gerne: mittwochs lampen, freitags treppen, dienstags fenster, ab und an dienstags rückblicke. das hilft, gerade auch, wenn man mal wieder nicht weiß, was man posten soll. 🙂

    als ich mit der schaubude, die fang den trickster übrigens im september zeigen wird, über einen instagram-account sprach, haben wir überlegt: wie bespielst du den als gastspielhaus, das kaum repertoire hat und nur wenig probenzeit im haus, wo keine kapazitäten da sind, ständig überall dabei zu sein… ich empfahl, und ich glaube, dass das in diesem fall die richtige entscheidung war, auf einen einheitlichen look zu verzichten, sondern in buntester abwechslung die vielfalt der zeitgenösissischen figurentheaterszene abzubilden: mit professionellen produktionsfotos,, die vor allem vorankündigen, posterabbildungen, skizzen – bewusst fremdmaterial, dazwischen gestreut eigene fotos vom haus, dem schaufenster, der umgebung, den werbematerialen. und auch hier – wenn es möglich ist, mit fremdem, aber auch eigenem material: wochenhashtags.

    ich habe nun alles einfach so runtergeschrieben, versuche nun einmal, dies noch kurz zusammenzubringen:
    auch ich wünsche mir von den theatern mehr fantasie und kreativität im bespielen des instagram-accounts – weiß aber seit jeher auch darum, wie schwer es ist, gerade bei instagram und all den ästhetischen und gesamtkonzeptionellen anforderungen, all das zusammenzubringen. solange man als social-media-satellit lediglich um eine produktion herumschwirrt, werden grenzen des machbaren bleiben. jemanden in einem produzierenden theaterhaus auf eine produktion anzusetzen, bedeutet, ihn zugleich von anderen produktionen abzuziehen und somit eine social-media-fokussierung auf eines von vielen produkten zu haben. was schade ist. und den anderen gegenüber vielleicht auch nicht fair (obwohl es ihnen recht sein mag).

    insofern suche ich – im eigenen arbeiten und in meinem und annes unermüdlichem kulturfritzenstreben (#theaterimnetz) – nach lösungen für den theaterbereich. was im museum mühelos gelingt, gelingt an dem ort, der selbst ja dafür da ist, geschichten zu erzählen, viel zu selten, und bislang eigentlich nicht. die macher, die können erzählen, michael tut das, dekoltas handwerk tut das. und beiden haben ganz unterschiedliche, spannende zugriffe.
    ich weiß leider noch nicht, wie sich das auf die stadttheater oder gastspielbetriebe übertragen ließe.

    viele grüße, marc

  2. Lieber Marc (Dein Kommentar ist länger als mein Beitrag! 😀 )

    Danke Dir für die Ausführung. Ich kann das alles nachvollziehen und verstehen – am Ende ist das dem Kunden/Betrachter auf der anderen Seite aber egal. (Das meine ich als Fakt – nicht auf Dich und Deine Ausführungen bezogen)

    Aber nacheinander:
    Du hast Recht, man kann freie Produktionen nicht mit Institutionen vergleichen. Ich hätte zu gerne auch ein Theater als Beispiel hervorgehoben, ich habe keins gefunden. Aber ein paar Highlights gibt es ja am Ende. Und da erkennt man eigentlich auch ganz gut, dass es eigentlich gar nicht so schwer ist.

    Was Du als Leiter eines renommierten, aber doch relativ kleinen Hauses in Personalunion stemmst ist Wahnsinn, dass es (vermutlich) kein Budget für einen SocialMedia-Menschen gibt, nachvollziehbar. Dass Du das dennoch machst – weil Dein Herz dafür schlägt – ist bemerkenstwert. Das ist in anderen, vergleichbaren Häusern sicher anders, dann fällt das halt komplett hinten runter, wenn es eben auch kein Interesse dafür gibt.

    Über die spezielle Situation von überwiegend Gastspielhäusern habe ich mir tatsächlich keine Gedanken gemacht. Ich habe mir das aber für mich als „freies Ensemble“ notiert, dass ich zukünftig den Häuser, an denen wir spielen, mehr Information schicke und die Aussenkommunikation auch einfordern werde, wenn entsprechende Kanäle vorhanden sind.
    Da stehen dann vielleicht auch die „Gastspieler“ in der Pflicht und da sieht es ja teilweise auch nicht gut aus. 😉

    Verschiedene Produktionen: Es gibt ja auch Museen, in denen mehrere Ausstellungen parallel laufen, die sich teilweise überschneiden. Ich erwarte ja auch nicht, dass jede Produktion von vorne bis hinten begleitet wird. Ich muss auch nicht permanent mit im Proberaum sitzen. Ich wünsche mir eine artgerechte Ausweitung der Inhalte in den digitalen Raum.
    Stichwort Vermittlung. An jeden Museum gibt es eine Kunstvermittlung, die mannigfaltige Formate anbieten. Analog und digital. (Ja, auch da liegt noch viel im Argen)
    Aber warum gibt es sowas nicht an jedem Theater? Wird vorausgesetzt, dass jeder Besucher den Faust, die Räuber, den Hamlet glasklar kapiert? Was ist der Ansatz, die Intention der zigsten Inszenierung? Warum so und nicht anders? Es gibt da doch etliche Ansätze. Und das könnte man wunderbar mit Social Media verknüpfen.

    Wir kommen gerade vom Hölzchen aufs Stöckchen. 😉

    Der SocialMedia Mensch, der der letzte in der Kette ist – ja das ist ein strukturelles Problem, was ganz einfach zu lösen wäre, wenn die Bereitschaft und Erkenntnis der Notwenigkeit bei der künstlerischen Leitung/Intendanz gegeben wäre.

    Ich mag den Account der Schaubude übrigens sehr. Die Fotos sind auch immer gut und die Motive natürlich dankbar.
    Auslöser für mein Blogpost, waren ja auch eigentlich die teilweise unterirdisch schlechten Fotos. Wenn ich fünfmal hintereinander ein unterbelichtetes, unscharfes Foto von einem langweiligen Motiv serviert bekomme, dann lasse ich es doch besser.

    Ich weiß, dass es nicht einfach ist, dass die Gegebenheiten sehr unterschiedlich sind und dass es immer an den involvierten Menschen liegt.

  3. Ich sehe es ja nur noch aus der Ferne, wenn Twitter-Menschen ins Theater dürfen (wie heißt das denn? Twittwalk oder so?) und dann erst erst ganz ernst erklärt bekommen, was das Ziel der Aktion ist, was sie gleich sehen und dann noch mal drauf gestoßen werden, was sie jetzt fotografieren sollten und dann hat der ganze Schwarm die gleichen Motive, nur mit geringfügigem Perspektivunterschied und retweetet sich noch gegenseitig. Schneller war ich nie auf der mute-Taste.
    Als ich einem großen Theater mal ein Social Media-Konzept erläutern durfte, hieß es: Au nein, einfach im Produktionsprozess was veröffentlichen? Geht gar nicht! Videos? Geht nicht wg. Rechten. Mein Ausweichvorschlag waren die üblichen Details. Dienstag Ballettschuhe, Mittwoch Notenblätter, Donnerstag etwas Kulisse von hinten etc.
    Das Konzept wurde dann auf Vorstellungsverlautbarungen eingenordet und den Job habe ich nicht bekommen…

    • Tweetup. 🙂
      Für Theater sicher ein nicht ganz so ideales Format. Es wird von einigen Häusern ja mehr oder weniger regelmäßig gemacht, dann bei einer Endprobe oder Vorpremiere. Ich selber habe es bislang leider noch nicht geschafft, zu einem zu gehen. Wir Herbergsmütter hatten 2013 mit dem Rheinischen Landestheater Neuss zu den Nibelungen eine Veranstaltung um ein Tweetup gebaut. Da das Ganze ca. 10 Tage vor der Premiere stattfand, wurde für uns eine Art Szenencollage kreiert. Mit ziemlich viel Vorlauf, Aktivierung der Community, eingrooven auf die Geschichte und Nachbereitung war natürlich relativ zeitaufwändig, für alle Beteiligten aber ein nachhaltiges Erlebnis. Das ist dreieinhalb Jahre und gefühlte 10 Internetjahre her. 😉
      Ein Instawalk durch die Innereien eines Theaters mit anschließender Vorführung ist bestimmt für viele ein tolles Erlebnis, das immanente Problem bei Instawlaks ist halt, wie Du schon schriebst, dass dann alle die mehr oder weniger gleichen Fotos machen.

  4. Liebe Ute,

    für mich im Prinzip positive Beispiele, Theaterstücke bei Instagram umzusetzen, lieferte im vergangenen Jahr das British Council. Die Bedingungen waren günstig: Es handelte sich nicht um einen Theater-Account, der über eine längere Zeit etwas aufbauen muss und daher besondere Herausforderung zu meistern hat. Zudem gab es ein beachtliches Budget, um Shakespeare zu promoten. Auch das Storytelling war gut durchdacht und für drei Stücke (A Midsummer Night’s Dream, Hamlet und Romeo and Juliet) abwechslungsreich umgesetzt.

    Trotzdem war es ein absoluter Fehlschlag. Man hatte ausschließlich Zeit und Geld in die Produktion investiert, nicht jedoch in die Umsetzung bei Instagram. Man hatte sich keine Gedanken um Hashtags gemacht und war v.a. im Netzwerk selbst nicht in die Offensive gegangen, um durch Liken, Folgen und Kommentieren eine mögliche Zielgruppe anzusprechen und eine Community aufzubauen. Mehr zum Shakepeare-Projekt und dessen Reichweite hier: https://musermeku.org/2016/12/28/musermeku-nicht-newsletter-10-12-2016/

    Wie die ganze Diskussion um Bots in den letzten Monaten zeigt, geht es bei Instagram garnicht so sehr um die Qualität des Content. Es geht v.a. um Interaktion – und Sympathie, die damit geweckt wird. Natürlich wären Bilder und Videos, die nicht völlig verunglückt sind, sondern ansprechend umgesetz, mehr als wünschenswert. Wichtiger ist aber der aktive Aufbau einer Community (möglichst persönlich und händisch, nicht mit einem idiotischen Follow/Unfollow-Bot).

    Diese Interaktion vermisse ich bei Theatern (und Museen) bei Instagram am meisten. Man verbringt als Institution am Tag 2 Minuten auf der Plattform – man postet ein Bild, tippt 1 Satz dazu, dann geht man wieder. Liken, Kommentieren, Folgen, aktiv mögliche Interessenten ansprechen – das passiert oft nicht. Und dann wundert man sich, warum man nur 156 Follower hat und 32 Likes pro Posting. „Social Media“ ist eben doch nicht als Einweg-Sendekanal ausgelegt.

    Viele Grüße, Angelika
    musermeku.org

    • Liebe Angelika, danke für den Hinweis auf das Shakespeare Projekt. Ich hatte das damals bei Dir gelesen, mir kurz angeguckt, bin da aber auch nicht richtig reingekommne. Eigentlich Schade, denn ja, wirklich groß produziert, mal was ausprobiert, aber vielleicht eine zu sehr in sich selbst verliebte Aktion.

      Interaktion und Dialog können Kulturinstitutionen leider wirklich sehr schlecht (Ist bei Unternehmen vielleicht ähnlich). Ich weiß auch nicht warum das so ist. Die Hürde „ich ’spreche‘ jetzt für eine Institution“ scheint irgendwas mit den Menschen zu machen, die die Accounts bespielen, dabei sprechen doch immer Menschen mit Menschen. Es ist einfach zu viel Reklametafel und Marketing-Einbahnstraßen-Getröt und davon müssen wir schnell weg.

  5. Super Artikel! 🙂 Allerdings denke ich, dass hier etwas zu selbstverständlich vorausgesetzt wird, dass ein toller Instagram-Account (oder anderer Social Media-Kanal) einem Theater ganz viel bringt, sei es Publicity, neue Zuschauer oder Branding-Effekte. Ich bin im Laufe meiner Theaterjahre da sehr skeptisch geworden und habe ähnliche Erfahrungen gemacht, wie Marc sie schildert. Man muss sich einfach fragen, ob der Aufwand, den man für einen tollen Social Media-Auftritt im obigen Sinne treiben muss, in irgendeinem vernünftigen Verhältnis zu den Zielen steht, die man vorher vielleicht/hoffentlich formuliert hat. Die Antwort lautet in den meisten Fällen wohl eher nein. M.E. geht es am Ende darum, einen guten (und immer individuell austariertem) Mix aus möglichst interessantem Content und zielgenauem Einbahnstraßen-Werbedruck zu finden, der eben auch in Social Media sehr gut funktioniert. Und was man auch nicht vergessen sollte ist, dass der Großteil der Follower oder Fans nicht mit dem Expertenblick auf den Content schaut und verschiedene gute Beispiele miteinander vergleicht und diskutiert. Deswegen funktioniert da dann auch noch das Bild vom Schlussapplaus.

    • Lieber Christian, danke für Deine Einschätzung. Klar, ich habe mir jetzt die geballte Ladung reingezogen und sicher eine Überdosis Schlussapplausbilder, aber es ist auch eine Bestandsaufnahme. Du hast wahrscheinlich recht damit, dass der Großteil der Follower keine Experten sind aber wenn man dieser Argumentation folgt, dann könnte man das Grafikdesign und die Fotos für Plakate und das Spielzeitheft auch vom Neffen der Buchhalterin machen lassen, denn der kann so schön malen und hat auch Photoshop auf dem Rechner. Und eigentlich kann man dann auch Amateurschauspieler auf die Bühne stellen, die sind sicher noch billiger und einige spielen ja auch ganz leidlich.

      Ich weiß, dass Du länger im und näher am Theaterbetrieb bist als ich und Du hast interne Einblicke, die ich nicht habe. Aber dann muss ich wieder die alte Frage rausholen, wird wirklich gemessen, wieviele Tickets aufgrund von X geklebten Plakaten verkauft werden? Wiviele Menschen werden damit tatsächlich erreicht? Wird eruiert, wieviele der teuer produzierten Spielzeithefte und -bücher nach wenigen Wochen im Altpapier landen? Was bringen die beklebten Litfaßsäulen? Vielleicht lautet die Antwort da auch „eher nichts“?
      Sicher ist es eine Gratwanderung und es ist nicht einfach, aber um nochmal das Beispiel mit den 5 unterbelichteten, unscharfen Fotos hervorzuholen – sicher tendentiell ein Einzelfall – aber da fühle ich mich als Kunde verarscht. Dann kann man das Spielzeitheft auch im Copyshop zusammentackern.

  6. Hallo Ute, ich gebe dir ja recht. Man sollte auch Unprofessionalität nicht mit „Authentizität“ oder so etwas verwechseln. 🙂 Meine Erfahrung am Opernhaus in Zürich war aber zum Beispiel, dass schöne Fotos vom Haus immer suuuuuper gezogen haben: Das Opernhaus mit Regenbogen, das Opernhaus vor strahlendem Sommerhimmel, im Schnee, was auch immer. Obwohl nur 1:1-Abbildungen von Gegebenheiten, waren das die erfolgreichsten Bilder hinsichtlich Reichweite und Interaktionen. Und solche Fotos sind schnell gemacht – beim Regenbogen muss man einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und dann macht das ganze noch 1-3 Minuten Arbeit, bis es online ist. Ausgeklügelte (Erzähl-)Konzepte bringen dagegen nach meiner Erfahrung oft nur einen Bruchteil der Reichweite und Interaktionen, machen aber einen Haufen Arbeit. (Und sind natürlich toll als Best practice für Camps etc. 😉 )

    • Lieber Christian, das kenne ich auch. Das banale Blumenbild oder der „Ich wünsche Euch einen wunderschönen Tag“-Tweet bekommt mehr Likes, als ein Hammer-Inhaltstweet oder Spitzenfoto. Das ist mitunter frustrierend und lässt mich auch manchmal an der Menschheit zweifeln. Dennoch sollte das nicht davon abhalten guten Inhalt zu liefern. Das ist sozialer Schmierstoff, so wie der banale Smalltalk mit der Marktfrau, die mir Top-Waren verkauft – auch wenn wir nur übers Wetter reden. 😉

  7. Super Artikel, tolle Kommentare… vieles unterschreibe ich sofort. Es ist und bleibt ein schwieriges Thema, das an vielen Häusern einfach an der Stelle endet: Wer macht´s? Solange die Intendanten, Direktoren ect. sich nicht mit Begeisterung der Herausforderung stellen, ihr Haus/Theater/Museum online präsentieren zu wollen und zwar mit allem, was darinnen ist, wird das wohl nichts werden. Es gibt soviel Potenzial. Wenn nur jeder, der etwas in diesem Haus zu tun hat, nur ein kleines Detail seiner eigenen Arbeit beschreiben würde und der Social-Media-Mensch (ich nenne die Abteilung/denjenigen jetzt einfach mal so) würde diese Posts/Bilder/Videos zu einem Ganzen bündeln, was gäbe das für Aufmerksamkeit. Das fordert natürlich erst einmal Begeisterung aller/vieler am Haus für dieses Thema und auch Ermunterung zu diesem Tun von Seiten der Leitung. Und das ist dann gleich die nächste Hürde. Sensibel genug umgehen mit den Inhalten, die verbreitet werden, das ist oft ein rotes Tuch. Begeisterung entfachen, Neugierde wecken ist nicht jedermanns Sache. Das setzt großes Vertrauen in jeden voraus. Die Leitung wird sich fragen: „Wenn alle etwas preisgeben, ist das zuviel? Ist das steuerbar? Ist das im Sinne des Hauses?“ Die Macher am Haus fragen sich sicher: „Ist es in Ordnung, wenn ich dieses Detail preisgebe? Ist das interessant? Darf ich das überhaupt?“ Diese Gratwanderung ist sehr schwierig und letztendlich auch zeitintensiv für den, der es bündeln muss. Aber ich finde, es ist eine fantastische Chance für ein Ensemble bzw. für ein Museum. Die Ausführenden haben normalerweise den direktesten Draht zu den Gästen. Sie wissen am besten, was ihr Publikum wissen will und können auch gut Kontakt herstellen. Und nicht zuletzt würde vielleicht auch manch Insider dann mit Augen sehen lernen, die viel Neues an Altbekanntem entdecken bzw. sehr genau auf das eingehen, was das Publikum wissen möchte.

  8. Man muss dich auch immer fragen, er die Zielgruppen sind. Wer geht in Theater, Oper, Konzert? Welche Altersstruktur wird denn erreicht? Wie korrespondiert das miteinander? Wenn überhaupt? Seit Jahren frage ich (mich) nach dem ROI von Social Media Aktivitäten… Im Kulturumfeld hat das bisher keiner beantwortet. Ganz anschaulich sind die Erkenntnisse auf http://www.pluragraph.com … Nur zum Vergleich: Der BVB hat 17 Mio Follower weltweit…

    • Lieber Rainer,
      natürlich sollte man eine Strategie haben, die impliziert, dass man seine Zielgruppe kennt, oder weiß welche man erreichen will. Eine Social Media Strategie haben viel Häuser sicher nicht.
      Bei ROI werde ich persönlich immer sehr müde, auch wenn mir viel der Problematiken – die zum Teil schon ausführlich genannt wurden – bewusst sind.
      Einen Fußballverein mit einer Kulturinstitution zu vergleichen, ist sicher Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

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