The Playground Project – über Spielplätze

1976 eröffnete in Krefeld das Freizeitzentrum Süd, und damals war das eigentlich nur ein großer Spielplatz, auf den ich aber gerne gegangen bin. Neulich bin ich nochmal hingefahren und soweit ich mich erinnere, hat sich da in 40 Jahren nicht viel verändert. Es war an einem frühen Mittag und außer einem Vater mit seiner kleinen Tochter, hingen dort ein paar Alkoholiker ab, eine Frau sonnte sich auf einem kleine Stück verbrannten Rasen. Ansonsten: gähnende Leere im gleißenden Sonnenlicht.

Es gab damals in Krefeld einen Spielplatz, auf dem ein altes, stählernes, bunt bemaltes aber rostiges Schiff stand. DAS war Abenteuerspielplatz. So ein verrostetes Teil würde heute vermutlich nicht mehr durchgehen. Leider fällt mir nicht mehr ein, auf welchem Spielplatz das stand. Weiß das zufällig jemand?

Damals in den Siebzigern war dieses Seil-Klettergerüst etwas ganz neues. In der Ausstellung Playground Pproject indoor in der Bundeskunsthalle habe ich erfahren, dass der ehemalige Boxer Joseph Brown, der 1937 an der School of Architecture der Princeton University als Boxcoach angestellt war, einmal die Entwürfe für ein Spielplatzprojekt der Studenten kritisierte. Daraufhin fing er an zu experimentieren und entwickelte schließlich ein Spielgerät mit Seilen. Seine Erfahrung als Boxer war dafür ausschlaggebend: für ihn war der Gleichgewichtssinn wichtig und auch die Förderung der Reaktions- und Teamfähigkeit. Ich vermute, dass die Seilklettergerüste, die wir so kennen, auf seinen Entwürfen „Jiggle Ring“ und „Swing Ring“ beruhen. [Katalog]

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Wie peinlich!

Foto: Erika Hartmann - pixelio.de

Da werde ich im Newsletter für eine Konferenz als Bloggerin angekündigt und mein letzter Blogpost ist neun Monate alt! /o\

Liebe Neubesucher, das letzte Jahr war eine persönliche Katastrophe. Ich habe mich zwar wieder einigermaßen in mein Leben zurückgefuddelt, aber noch nicht alles durchsortiert. Ansätze und Ideen für Blogposts liegen im Hirn und in der Schublade und ich hoffe, bald Zeit zu finden, um sie schreiben zu können.

 

 

Spurensuche Tag 4 – Lommatzsch

Irgendwie erinnere ich mich aus den Erzählungen meiner Oma an den Namen Lommatzsch. In welchem Zusammenhang weiß ich leider nicht mehr. Lommatzsch ist die Stadt in der Lommatzscher Pflege.

Die Lommatzscher Pflege ist eine historisch gewachsene Region, deren Name seit 1517 in einer Stiftungsurkunde zugunsten des Klosters Meißen belegt ist.
Der Begriff
Pflege” bezeichnete im mittelalterlichen Feudalwesen einen Bezirk, der einem grundherrlichen Beamten zur Verwaltung übergeben wurde. Später wurde dies die allgemeine Bezeichnung für einen kleineren Verwaltungsbezirk. Bis heute hat sich – wie bei der Lommatzscher Pflege – der Begriff als Landschaftsbezeichnung erhalten.

Ich besuchte zuerst das kleine Heimatmuseum, das zwar rührig, aber doch arg strubbelig ist und keinerlei Ansatz zu irgendwelcher Recherche bietet. Ich bekam eine Adjutantin an die Seite gestellt, die mich durch das Haus führte und die eine oder andere Information einwarf. (Sie wartete sogar auf mich, als ich auf dem Weg zum Ausgang mal aufs Klo musste). Sie war erst recht mürrisch, taute dann im Gespräch aber merklich auf und war dann sehr freundlich. (wie sehr viel Sachsen übrigens) Es stellte sich heraus, dass sie selber erst seit vier Jahren in Lommatzsch lebt und mir somit keine konkreten Frage zur Vergangenheit der Stadt beantworten konnte.

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Spurensuche Tag 3 – emotional

Eigentlich wollte ich heute mal eine Pause machen. Seit neun Tagen bin ich ununterbrochen am tun und am machen, habe Trubel um mich. Heute morgen war ein bisschen die Luft raus. Ich habe etwas länger geschlafen, ein bisschen rumgedörmelt, telefonisch ein paar Dinge organisiert und dann einen Spaziergang gemacht und mich vom kräftigen Wind durchpusten lassen.
Dann dachte ich mir am Nachmittag, ach komm, dann fahre ich noch zu dem Ort, wo meine Großmutter bei ihren Großeltern aufgewachsen ist, das ist nämlich nicht weit von meinem Basecamp hier in Döbeln entfernt.

Ich wusste, dass es das Haus nicht mehr gibt. Meine Großmutter war mit meinen Eltern vor ca. 25 Jahren schon mal dort und da war es schon nur mehr eine Ruine. Da ich nicht wusste, wo genau das Grundstück ist, musste ich rumfragen, habe bei zwei Häusern geklingelt und dann waren da Leute, die schon immer dort lebten. Der alte Vater kam hinzu und er konnte sich tatsächlich noch an meinen Ururgroßvater erinnern. Der habe zu Feiertagen ein Grammophon rausgestellt und man hörte gemeinsam Musik. Seine Mutter habe immer gesagt, das Haus der Ururgroßeltern sei das schönste im Dorf. Auch an einen der Söhne konnte er sich erinnern. Von dem weiß ich, dass er im 2. Weltkrieg gefallen ist. Meine Großmutter kannte er nicht, aber ich habe dann in Gedanken kurz sein Alter überschlagen und vermutlich war sie schon fortgezogen, als er ein kleines Kind war.

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Spurensuche: Wilsdruff

Einer meiner Ururgroßväter wurde 1824 in Lichtenberg im Erzgebirge geboren. Er heiratete 1858 im gut 30 km entfernten Wilsdruff und starb 1883 im ca. 12 km entfernten Freital. Der Mann war Handarbeiter und Tagelöhner, von der Ururgroßmutter weiß ich fast nichts.

Historische Ansicht, Wilsdruff-Marktplatz

Nun ist mir bei meiner kleinen Spurensuchereise klar geworden, dass mich gar nicht so sehr die Geburts- Heirats- und Sterbedaten interessieren – die sind natürlich als Anhaltspunkte sehr wichtig – sondern das dazwischen.

Warum ist einer von A nach B gereist? Wie und wo haben sie gelebt? Wie sahen die Orte damals aus? Wie der Alltag? Wie ist der Bezug zur Regional- und Weltgeschichte?

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Spurensuche – Familienforschung

Seit bestimmt 15 Jahren will ich diese Reise machen, aber irgendwas fehlte immer: Auto, Geld, Zeit. Dann passte plötzlich alles, ich plante, arrangierte – und dann kam mir kurz vor knapp doch wieder das Leben dazwischen. Ich ziehe es trotzdem durch, auch wenn ich es verkürzen musste und inhaltlich völlig unvorbereitet bin: keine Termine bei Archiven, oder sonst wo. Ich stolpere einfach so von Ort zu Ort – in Sachsen.

Heute war ich in Lichtenberg im Erzgebirge. Mindestens drei Generationen meiner Vorfahren haben dort gelebt. Ich war als erstes bei der Dorfkirche, die blöderweise geschlossen war, habe auf dem Friedhof nach Namen gesucht, die ich unter meinen Vorfahren habe (und nichts gefunden, weil das alles zu lange zurückliegt). Habe vergeblich versucht das Pfarramt telefonisch zu erreichen. Dann bin ich einfach mal ins Rathaus spaziert, wurde von Kollegin zu Kollegin zu Kollegin verwiesen und saß dann bei einer sehr sympathischen Mitarbeiterin in einer kleinen Amtsstube und habe die Chronik des Nachbardorfs, die zur 800-Jahr-Feier herausgegeben wurde, quergelesen. Wir haben nett geplaudert, ich habe die Chronik des Hauptorts gekauft und zog wieder von dannen.

Kirche Lichtenberg i. E.

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Assoziatives Gedankenhopping zu Grün

HKS 66 K

Grün ist meine Farbe. Schon sehr lange.

Ich erinnere mich an eine Situation vor vielen Jahren, als ich mit einer Gruppe von Freunden in Frankreich Urlaub machte und wir in St. Tropez durch Boutiquen bummelten und Dinge anprobierten, die wir niemals kaufen oder tragen würden, ich ein enges, langes, olivgrünes Kleid anzog und eine Freundin sagte, dass mir das sehr gut stehen würde und die Verkäuferin das bestätigte, weil es die Farbe meiner Augen hätte. Eine echt gute Beobachtungsgabe der Verkäuferin und für mich als Fashion-Niete war das ein Schlüsselerlebnis. Seitdem ist Grün auch eine häufig vorkommende Farbe in meinem Kleiderschrank. (Wobei ich es auffällig finde, wie schwierig es ist, schöne grüne Schuhe zu finden!)

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Museumsperle: Die Puppentheater-Sammlung im Münchner Stadtmuseum

Puppen- und Figurentheater-Sammung, Münchner Stadtmuseum

In der Regel gehe ich doch überwiegend in Kunstmuseen- / Ausstellungen. Als ich neulich in München war, ging ich ins Stadtmuseum – weil ich unbedingt die Ausstellung „No secrets! – Bilder der Überwachung“  sehen wollte.

2002 habe ich im ZKM ctrl space gesehen und das hat mich nachdrücklich beeindruckt. Das Thema ist natürlich immer aktuell und die Aspekte ändern sich. Seit Edward Snowden und Julian Assange, NSA, Prism, Big Data, der fortschreitenden Digitalisierung und Social Media sowieso.

Die einzelnen Objekte und Arbeiten bei No secrets waren interessant, die Gesamtkonzeption der Ausstellung hat mich aber nicht überzeugt, weil sie sich wohl nicht so recht zwischen Dokumentation und künstlerischer Auseinandersetzung entscheiden konnte. Die Ausstellung ist zweigeteilt, einen weiteren Part gibt es in der Eres-Stiftung, leider hat sich mir das vor Ort nicht erschlossen, sonst hätte ich mir das auch noch sehr gern angeschaut.

Die echte Entdeckung – und Museumsperle – war für mich die umfangreiche Puppen- und Figurentheater- und Schausteller-Sammlung.

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Liebe Theater auf Instagram,

theaterwelten inszeniert L’elisir d’amore

es ist sehr schön, dass ihr da seid, aber …

Wir kennen nun bestimmt jeden Winkel hinter den Kulissen Eures Hauses. Den Kostümfundus, den kleinen Flur hier, die Treppe dort hinten, die Garderoben, die Maske, die Werkstatt, die Kantine – halt, es gibt definitiv zu wenig Kantinenfotos!

Wir verfolgen in der Maske die Verwandlung von Schauspieler NN in Figur XY  im Zeitraffervideo, den Bühnenbildauf- und abbau,  – gerne auch im Zeitraffervideo (ich gebe zu, Zeitraffervideos haben immer was faszinierendes, eigentlich egal was zu sehen ist). Wenn man so ein unglaubliches Bühnenbild wie beispielsweise die riesigen Laufbänder zu den Räubern im Residenztheater hat, kann man das natürlich mal exzessiv abfeiern, wenn nicht, wäre eine richtige Geschichte zum Bühnenbild interessant, aber dann bitte mit Anfang, Mitte und Ende, über die Konzeption, den Entstehungsprozess, Materialien, O-Töne vom Gestalter und den Bühnenarbeitern, da gliedern sich dann auch geschmeidig Auf- und Abbau ein.

Wir sehen das eine oder andere Probenfoto (bei den großen Institutionen eigentlich selten), Szenenfotos, oft die perfekten offiziellen, mit Hinweisen zu Spielterminen (Reklametafeln).

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Xing – ich bin dann mal weg

Seit 2004 bin ich bei Xing, damals noch OpenBC. Es gab ja noch kein Social Web und ich war in einigen Gruppe relativ aktiv, als in den Gruppen noch reger Austausch stattfand. Irgendwann verlagerte sich dann dieser Austausch für mich mehr und mehr zu Twitter und Facebook, andere Netzwerke kamen dazu, die allesamt bunter und lockerer waren, die Xing’schen Gruppenaktivitäten schliefen allgemein ein. Zwischendurch war ich auch mal eine Zeit lang Premium Mitglied, weil ich dachte „hey, …“ – ja was eigentlich?

Ich denke, seit dem Durchbruch von Facebook in den Mainstream sah Xing seine Felle schwimmen, baute ständig um, fing an nur noch mit Werbung um sich zu werfen, schickt mir Benachrichigungen, auf die ich nicht zugreifen kann, weil ich kein Bezahlmitglied (mehr) bin. Ich bin da seit Jahren eh nur Karteileiche, weil Xing mich persönlich im Leben keinen Zentimeter weitergebracht hat. Für manche Branchen und Menschen mag es funktionieren, für mich nicht. Seit Xing sich nun mehr und mehr ein- und abschließt, zumindest was das Basisprofil anbelangt, weiß ich gar nicht, was ich da noch soll. Die Tichy Geschichte ist jetzt auch nur noch ein weiteres Sandkörnchen, was mich dazu bewegt, mein Profil zu löschen.
Mein Karteileichendasein verlege ich zu LinkedIn, ansonsten stehen hier die wichtigsten Profile und Kanäle, wo man mich finden kann.
Anfang Februar bin ich dann da mal weg.

Update: Gerade lese ich, dass Tichy die Herausgeberschaft niedergelegt hat, ändert für mich aber nichts.